Bericht über die Exkursion nach Aserbaidschan 2016

Vom 05. bis 15. September 2016 führte der Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte unter der Leitung von Elnura Jivazada. Ausgangs- und Endpunkt der 10-tägigen Exkursion bildete die Hauptstadt Baku. Als politisches Zentrum des Landes bot diese Stadt der Reisegruppe am Beginn die Möglichkeit sich durch die Erkundung der wichtigsten repräsentativen Bauten und im Gespräch mit dem stellvertretenden Direktor des Historischen Instituts in der Nationalen Akademie der Wissenschaften ein Einblick in die staatlichen Geschichtsleitbilder zu gewinnen. Mit den hauptstädtischen Eindrücken ausgestattet besuchten wir verschiedene Städte und Sehenswürdigkeiten im ganzen Land.

Einen roten Faden bildete dabei die bewusste Konfrontation mit der historischen und gegenwärtigen Heterogenität Aserbaidschans. So war der Besuch in der Stadt Quba mit seiner großen und aktiven bergjüdischen Gemeinde und seiner Bevölkerung aus diesen, Taten, Lesginen und Aseris in dieser Hinsicht ebenso bereichernd wie der Besuch der Kolchose Ivanovka, die eng auf eine molokanische wie auch sowjetische Identität verwies. Diese Heterogenität scheint sich trotz der mitunter sehr geringen Größe zwar durch die Abwanderung in die städtischen Regionen bedroht aber noch relativ stabil oder gar, im Falle der kleinen udinischen Kirche, von einer gewissen Wiederbelebung gekennzeichnet. Im Falle des Verschwindens, wie das der deutschen Minderheit in Helenendorf, aber zumindest erinnernswert und im lokalen Gedächtnis bewahrt. Einzig der in Gesprächen, Baudenkmälern und historischen Artefakten immer wieder gefundene Verweis auf die Armenier erfährt eine ganz gegenteilige, negative Würdigung.

Dieser konfliktreiche Umgang mit dem armenischen Erbe Aserbaidschans zieht sich dabei als eine Konstante durch die historische Mythenbildung des Landes und begegnete uns in staatlichen Denkmälern, Gesprächen, zerstörten Grabsteinen und Verweisen auf eine frühere Nutzung von Gebäuden durch Armenier. Eine Konstante in diesem Geschichtsbild ist auch der Versuch des Nachweises historischer Siedlungskontinuität, der sich auf prähistorische Zeiten erstreckt und einer ‚eigenen‘ Einordnung in die von Thor Heyerdahl propagierte ‚Suche nach Odin‘.

Nach diesen eindrucksvollen fünf Tagen im Land kehrten wir nach Baku zurück und konnten unsere Exkursion und unsere Eindrücke in Gesprächen mit dem deutschen Botschafter, sowie Vertretern der aserbaidschanischen Zivilgesellschaft gerade auch über die politisch als brisant erscheinenden Themen abrunden. Die Exkursion stellte für uns eine große Bereicherung dar, verschaffte uns einige Eindrücke über den postsowjetischen Raum und einen Einblick in das Fortbestehen des langwierigen Karabach-Konfliktes.

Für die Förderung möchten wir uns beim den Verein der Freunde der Geschichtswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz e.V. herzlich bedanken.

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Einladung zum Empfang unserer Gaststudierenden aus dem Ausland

Liebe Ehemalige und Aktive und Angehende Historiker im Verein der Freunde der Geschichtswissenschaft,

gerne nehmen wir die Initiative in die Hand, um die ausländischen Gäste, die wir durch Erasmus, das Dijon-Programm und andere wie den DAAD als Studierende und Gastwissenschaftler am Historischen Seminar haben, mit Ihnen und Euch allen bekannt zu machen.

Dafür werden wir einen Empfang zum Kennenlernen in der 2. Oktoberwoche veranstalten und bitten Sie aber jetzt schon einmal uns Ihr/Dein Interesse an einer Patenschaftsübernahme zu bekunden. Wir und unsere Gaststudierenden (und Wissenschaftler) würden dann erwarten in den darauffolgenden Monaten einen Ansprechpartner für alle Lebenslagen zu haben, wichtiger aber noch, vielleicht auch jemanden, der ihn oder sie auch einmal in einen deutschen Familienkontext/WG-Vergnügen/Single-Haushalt (was auch immer) einführt – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt wie Sie Ihr oder Du Dein Engagement dann auslebst.

Das aber ist in jedem Fall ein Extra, für den Abend unseres kleinen Festes voraussichtlich am Dienstag, 10. 10. oder Mittwoch, 11.10. sind Sie / seid ihr alle herzlich und oben Verpflichtungen eingeladen.  Wir werden vorher prüfen, ob dann nicht parallel eine zentrale Veranstaltung  bspw. der Erasmus-Koordination stattfindet und dann den Termin festlegen und mitteilen.

Rückmeldungen nehmen wir gerne an unsere Email-Adresse vfg@uni-mainz.de entgegen.
Wir freuen uns auf zahlreiches Beisammenkommen.

Beste Grüße

Marietta Horster und Immanuel Lissel

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Mitgliederversammlung 2017

Liebe Mitglieder unseres Vereins der Freunde der Geschichtswissenschaften,

wieder ist ein Jahr um, Zeit für unsere alljährliche Mitgliederversammlung. Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung stehen einmal mehr Vorstandswahlen an.

Die Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, den 15. Februar um 17.00 Uhr in Raum P 203 (Philosophicum) statt.

Hier finden Sie die Tagesordnung der Mitgliederversammlung.

Im Auftrag des Vorstands

Johannes Pahlitzsch

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Pimp up your library

Pimp up your library! Bis zum 01. März 2017 hast Du wieder Gelegenheit Deine Anschaffungswünsche für Bücher in eine Urne im Karten- und PC-Durchgangsraum des Historischen Seminars zu werfen oder an vfg@uni-mainz.de zu senden. Wir freuen uns möglichst viele dieser Bücherwünsche umzusetzen.

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Impressionen des Historischen Jahresvortrags 2016

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Jahresbericht für 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

Unser Verein hat wie bekannt den Zweck studentische Aktivitäten zu fördern, die durch die normalen Angebote der Universität nicht gedeckt werden. Eine unserer Hauptaktivitäten ist daher die finanzielle Unterstützung von Exkursionen.

Beantragt worden war die Förderung für insgesamt drei Exkursionen, die wir alle unterstützen konnten. So konnten wir für die von Frau Dr. Nordblom beantragte Förderung für eine Exkursion nach Ramstein zum Thema Amerikaner in Rheinland-Pfalz 150 Euro bewilligen. Den dreizehn Studentinnen und Studenten, die mit Herrn Prof. Maner im September 2015 eine 11tägige Exkursion durch Rumänien unternommen haben, konnten 390 Euro zur Verfügung gestellt werden. 11 Studierenden, die an der Exkursion von Herrn PD Raasch zum Heidelberger Schloss und zur Burg Nanstein bei Landshut teilnehmen, wurden mit jeweils 10 Euro unterstützt.

Der Jahresvortrag des Historischen Seminars gehört ebenfalls zu den traditionellen Förderprojekten des Vereins. Im November 2015 sprach Herr Professor Dr. Markus Furrer (PH Luzern) zum Thema „Mythen im Aufwind der Erinnerungskultur, Geschichtsunterricht im Spannungsfeld der Erinnerungspädagogik“. Der Vortrag war nicht nur erhellend mit seinen für uns vielleicht doch fremden Einblicken in die Schweizer Erinnerungskultur sondern auch dank der lebendigen Vortragsweise von Herrn Furrer sehr amüsant.

Außerdem wurden für die aktive Teilnahme von fünf Studierenden an einer Tagung zum Thema „Kinder und Krieg“ insgesamt 165 Euro zur Verfügung gestellt.

Erstaunlicherweise wurde uns von der Online-Zeitschrift „skriptum“ (http://www.skriptum-geschichte.de/), die von Studierenden des Historischen Seminars getragen wird, bisher keine Rechnung geschickt. Grundsätzlich wird der Verein auch weiterhin dafür Sorge, dass diese studentische Initiative durch die Bereitstellung der Serverkosten weiter gefördert wird.

Zu den kontinuierlichen Fördermaßnahmen des Vereins gehört die sogenannte Bücheraktion. Erneut konnten auch im abgelaufenen Jahr von Studierenden gewünschte Fachliteratur angeschafft werden. Die Bücherwünsche betrafen vor allem den Bereich der Neuen Geschichte, aber auch eine Monographie zu Napoleons Sturz und den Wiener Kongress oder eine epochenübergreifende Behandlung der Parlamente in Europa vom Mittelalter bis zur Moderne wurden angeschafft. Insgesamt waren es etwa 325 Euro, die wir hierfür ausgegeben haben. Etwas weniger als im Vorjahr.

Diese Aktion wird jährlich durchgeführt und ist gerade heute wieder abgeschlossen worden, allerdings wurde sie noch nicht ausgewertet. Der Vorstand wird wie üblich eine angemessene Auswahl auf seiner nächsten Sitzung treffen. Ich möchte aber daran erinnern, dass jederzeit und in jeder Abteilung des Historischen Seminars Bücherwünsche genannt werden können und darüber hinaus auch bei der UB Büchervorschläge gemacht werden können.

Unsere wesentlichen Schwerpunkte lagen im Jahr 2015 also zum einen in der Unterstützung der studentischen Teilnahme an Exkursionen mit 650 Euro (200 weniger als im letzten Jahr!), dann in der Bücheraktion mit gut 325 Euro, und mit weiteren 350 Euro haben wir den Jahresvortrag des Historischen Seminars gefördert. Die übrigen Maßnahmen umfassen dann weitere, eher geringe Beträge. Insgesamt haben wir unsere Ausgaben im Jahr 2015 also etwas zurückgefahren, was auch dem Rückgang der Einnahmen in Folge der Probleme mit der Umstellung auf Daueraufträge geschuldet war.

Gerne würden wir gerade Exkursionen und studentische Veranstaltungen aber auch die Bücheraktion großzügiger unterstützen als uns dies im letzten Jahr möglich war. Und ich hoffe, dass wir dazu auch in der Lage sein werden, dank der sehr erfolgreichen Mahnaktion, die Frau Horster sehr engagiert durchgeführt hat! Außerdem wäre es natürlich weiterhin wichtig mehr Mitglieder zu haben. Hier sollten wir uns alle noch mehr darum bemühen, neue Mitglieder zu werben.

Meinen großen Dank möchte ich nun am Schluss meines Rechenschaftsberichts dem Vorstand aussprechen, dessen Mitglieder wieder großes Engagement gezeigt haben. Vor allem möchte ich aber unserer Schatzmeisterin Frau Horster danken, die nicht nur durch ihre Mahnaktion die Finanzen des Vereins wieder auf eine solide Basis gestellt hat, sondern auch sonst als der eigentliche Motor unseres Vereins bezeichnet werden kann! Nicht vergessen möchte außerdem unsere beiden Kassenprüfer, Herr Zelle und Frau Kosthorst, denen ich ebenfalls herzlich danke.

Im Namen des Vorstands

Univ.-Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch, Vorsitzender des Vereins

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Historischer Jahresvortrag 2016

Luther-Plakat - Einladung zum Historischen Jahresvortrag 2016

Plakat zum Jahresvortrag des Historischen Seminars 2016

Wie jedes Jahr laden wir herzlich alle Mitglieder des Vereins ein, an dem von uns mitfinanzierten Jahresvortrag des Historischen Seminars teilzunehmen. In diesem Jahr hat die Abteilung Neuere Geschichte Herrn Prof. Dr. Volker Leppin aus Tübingen eingeladen, der passend zum anstehenden 500. Reformationsjubiläum (im Oktober 2017) über „Vertiefung des Glaubens – Erneuerung der deutschen Freiheit: Luthers frühes gedrucktes Werk“ sprechen wird, Dienstag, 15.11.2016 um 18.15 Uhr im Hörsaal P 1 des Philosophicums der JGU. Wie immer wird sich ein kleiner Empfang anschließen, der von unserem Verein gesponsert wird. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Plakat zum Jahresvortrag des Historischen Seminars

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Laudatio auf Platz 3 des Wettbewerbes zum Universitätsjubiläum

Platz 3 Ein Film Echt Super, alles super – von Florian Lehmann und Alexander Henkel

Photographie der 3. Platzierten: Alexander Henkel (rechts) und Florian Lehmann (links)

3. Platz: Alexander Henkel und Florian Lehmann mit ihrem Filmbeitrag “Alles super”

Der Film beginnt sehr klassisch, sowohl im Bildausschnitt als auch in der Anmoderation. Dem Publikum wird angekündigt, es sehe nun anlässlich des Bestands der Universität seit 70 Jahren eine Bestandsaufnahme.

Dann allerdings wird zwar einerseits das Gebäudemotiv der ersten Einstellung aufgenommen, indem es auch weiterhin um Gebäude, Bauwerke und ihre Nutzung geht – es wird allerdings kein Blick zurück gemacht, sondern nur Bauten gezeigt, die seit maximal 2-3 Jahren fertiggestellt sind, sich noch im Bau befinden, so oder so jedenfalls zur Lebensqualität der nutzenden Studenten und Studentinnen enorm beitragen.

Die Interviewtechnik ist unangestrengt und professionell und hält den Film durch die immer gleiche Art der Anrede und Haltung zusammen.

Die Schnitte sind wirklich “erste Sahne”, anders kann man das nicht sagen.

Auch der Abspann ist wie der Einstieg dann wieder ein Klassiker, der aus dem Bild fahrende Bus.

Eigentlich ein rundum gelungener Film von 3 ½ Minuten Länge.

Eigentlich – und nun kommt die Begründung, wieso die Jury der Meinung war, dass es dann doch nur der dritte Platz sein sollte.

Es ist ein Werbefilm, die Aufnahmen sind großartig, die Stimmung positiv, selbst die am Ende geäußerte Kritik ist von Optimismus geprägt, dass alles besser werde, wenn die Mainzelbahn dann endlich da sei. Aber es ist

a) kein auf das Universitätsjubiläum Bezug nehmender Film. Bis auf die Anmoderation mit dem Hinweis auf die Dauer der Existenz der JGU gibt es keinen Hinweis das es nicht einfach nur darum geht, ein Feature, einen Clip zu drehen, dem es vor allem am Herzen liegt, neue angehende Studenten dazu zu bewegen, sich für die Uni Mainz, vielleicht sogar für ein Wohnheim auf dem Campus zu entscheiden.

b) Anmoderation und Ende sind nicht mit dem eigentlichen Interviewfilm verbunden, vor allem nicht motivisch.

Aber wie gesagt, ein Superfilm mit kleinen Schwächen – man glaubt kaum, dass es das Erstlingswerk von Herrn Henkel und Herrn Lehmann ist. Ein toller 3. Platz, vielen Dank!

 

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Laudatio auf Platz 2 des Wettbewerbes zum Universitätsjubiläum

Der Zweite Platz hat auch viele Stärken und hat uns mit seiner Farbintensität wirklich geflasht. Solch einer Serie ist die Aufmerksamkeit gewiss, an diesen Bildern von Herrn Heine, Herrn Sporenberg und Frau Vogel geht man nicht einfach vorbei.

Photographie der 2. Platzierten Clara-Sophie Vogel, Florian Heine, Simon Sporenberg

2. Platz: Clara-Sophie Vogel, Florian Heine, Simon Sporenberg mit ihrer Posterserie

Worauf uns die Werbeexpertise unserer Jury, Frau Giegerich, aufmerksam machte, war dass das Thema der Posterserie das aktuelle Werbemotto der Stadt Mainz aufnimmt, dass zumindest die aktuelle Webkampagne dominiert, das aber im Stadtbild nicht sichtbar ist: „Wissen im Herzen“.

Herzlinie und Puls verweist nicht nur auf das Schlagen des Herzens für eine Sache, die Universität, es bildet ab, was man mit „am Puls der Zeit“ meint, Forschend und Kritisch das Zeitgeschehen begleitend, aber auch durch Eingriffe, ob am offenen Herzen oder nicht – auch wenn die verbalen Botschaften auf den Poster ein wenig sehr reißerisch-werbend und ein bisschen süßlich-schmalzig wirken, sie stehen im spannungsreichen Kontrast zu drei Aspekten der bildlichen Gestaltung, die die Kohärenz der Posterserie ausmachen.

Es ist zum einen der Farbverlauf, der die ältere Generation, zu der ich mich auch zähle, an die Farbenpracht der Suhrkamp-Edition erinnert, die die geballte Ladung intellektueller Auseinandersetzung der 70er und 80er Jahre geprägt hat.

Es ist aber auch ein Farbverlauf, der an den Wasserfarbkasten der Kinder erinnert, ebenso wie an die Regenbogen.

Diesen Aspekten der graphischen Assoziation zu Medizin, Kunst und Naturwissenschaften, und geistesgeschichtlichem intellektuellen Habitus der Nachkriegszeit verbunden ist eine Serie von Fotos, die auf den konkreten Raum verweist, in dem dies alles stattfand und stattfindet.

Die Komposition besticht, immer ein  Bild mit dem was Statik präsentiert, Immobilien, auch wenn auf fast allen durch die Menschen, die in den Aufnahmen präsent, auch ein dynamische Element dazu kommt.

Immobilien oben, dann Mobilität Vorwärtsbewegung durch die Lebenskurve, die graphisch sehr geschickt umgeformt ein JGU Logo in sich birgt, darunter die plakativen Sprüche, alle mit dem 70 Jahren verbunden.

Auch wenn uns die Komposition insgesamt und die Auswahl der Fotos im Detail überzeugt haben, es ist die Farbgebung dieser Fotos, die die Jury nicht nur problematisch fanden, sondern von einigen sogar als störend empfunden wurde.

Die Gesamtoptik irritiert, aber nicht im Sinne eines störenden Hinterfragens, sondern mehr, ob hier möglicherweise nicht ausversehen und ungesteuert die Farbverläufe des Gesamtbildes auf die Fotos abgefärbt habe.

Dennoch – ein insgesamt Ergebnis, dass in den Bann zieht, dass phantasievoll das Wettbewerbsmotto umgesetzt hat, professionell, gut durchdacht und raffiniert komponiert.

Die Mottobegriffe, die über der Dokumentation zur Serie mit eingereicht wurden lauten „Gemeinschaft, Identität, Vielfalt, Innovation, Fortschritt, Beständigkeit, Werte“

Wir die Jury dachten uns, dass dies das Ergebnis eines Brainstormings war, dass wie bei Werbeprofis üblich, die Fixpunkte formulieren sollten, die als Gesamtbotschaft zwar nicht explizit aber implizit transportiert werden sollten.

Das ist den dreien gelungen – herzlichen Glückwunsch, Clara-Sophie Vogel, Florian Heine, Simon Sporenberg.

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Laudatio auf Platz 1 des Wettbewerbes zum Universitätsjubiläum

Nun zu der Posterserie, die die Jury ohne Wenn und Aber überzeugt hat, keine Kritik, keine Nachfragen – einfach überzeugend, auch wenn die Jury sich durchaus kritisch damit auseinanderzusetzen hatte, ob die vorzüglich ausgewählten Stimmungsbilder für das jeweilige Jahrzehnt auch ausreichend visuell auf die JGU in dieser Zeit bezogen worden sind.

Photographie der 1. Platzierten: Daniel S. Fröb (rechts) und Katharina Zwick (links)

1. Platz: Daniel S. Fröb und Katharina Zwick mit ihrer Posterserie “1940er bis 2010er Jahre”

Daniel S. Fröb und Katharina Zwick sind die beiden, die diese Serie konzipiert und umgesetzt haben und zwar so überzeugend, dass ihre Poster dann auch im Präsidium unserer Universität aufgehängt sind.

Zurück zum bereits genannten “Zeitgeist”,

1)    Mainz in Trümmern und Wiederaufbau für die 40er Jahre Heile Heile Gänschen, vieles wird überdeckt, schön angestrichen, nicht hinterfragt, eben mit Pflaster zugeklebt und nicht operiert.

2)    Die 50er, Rock’n'Roll und ein bisschen wenn dann individuelles Rebellieren, aber doch im großen und ganzen Ästhetisierung, unpolitische Gemeinschaftserlebnisse, Amüsieren, dafür steht James Dean. Denn sie wissen was sie tun – ist das Motto, und in der Tat, die Studenten dieser Generation wollten vergessen sicher, aber vor allem auch nach vorne sehen für eine individuelle gute Zukunft:  eine gute Ausbildung, viel Geld verdienen, Sicherheit.

3)    Jo Gutenberg, ein Che Guevara im Schafspelz, aber eben doch eine Politisierung, die die Studentschaft und Dozenten erfasst hat.

4)    Die 70er Jahre dann als „Pong“, Ping/Pong darzustellen, was politisch und mit großen Theorien nicht zu lösen ist, mag die große Technik- und Fortschrittsgläubigkeit der Zeit in neue Bahnen zu lenken. Der erste Flug zum Mond und der 1. Computer werdeb gebaut, er steht in Berlin, der Erfinder vergisst ein Patent anzumelden, was ihm dann IBM freundlicherweise abnimmt.

Die Universitäten, auch die Mainzer Universität ist weiterhin politisiert, aber zunehmend sind es andere Themen Gleichberechtigung und Atomkraft, nicht mehr nur der Kampf der Ideologien Kapitalismus und Kommunismus, weisen den Weg in eine neue politische Landschaft. Die Möglichkeiten der Atomkraft in Verbindung mit der Überschätzung der Technik und der Politiker alle Probleme lösen zu können, eben auch innerhalb kürzester Zeit Lösungen für den Atomabfall zu finden, das ist in den Augen nicht nur der Studenten und Studentinnen in Mainz die negative Seite dieser Technikgläubigkeit.

5)    Die Weltraumforschung beflügelt in den 1980ern die Phatansie, aber auch neue Möglichkeiten der Filmtechnik tragen dazu bei, das E.T. nicht nur ein technisch raffinierter Film wird, sondern auch in seiner ganzen Skurilität die Botschaft, dass man das Gute nicht nur in den Kindern und der Phantasie, sondern auch an Ecken und bei Dingen und Menschen finden würde, bei denen man es so nicht erwarte. Eine Aufbruchstimmung und Bereitschaft zum Experiment wird damit visualisiert.

6)    Für die 1990 hat unser Siegerduo das Plattencover von Nirvana „Nevermind“ gewählt, verfremdet wie auch im übrigen die anderen Bilder durch die Nach- und Neuzeichnung hier mit einem Doktorhut, der an einem Haken gehängt statt eines Babys unter Wasser ein kleines Gespenst ködert. Kindisch, wild, phantasievoll, zugleich aber auch der Verweis auf ein Lebensgefühl, dass keine Zukunft hat, schließlich hat sich Kirk Cobaine umgebracht, um dem Höhepunkt eines schnellen und intensiven Lebens keinen langsamen Altersabstieg zuzumuten.

Der Jugend gehört die Welt, Trau keinem über 30 war zwar das Motto der 70er, sie drückt sich aber gerade durch diese ästhetisierte Antihaltung aus, die in den 90ern ähnlich unpolitisch daherkommt, wie dies in den 50gern schon einmal der Fall war.

7)    Brave new world heißt das vorletzte Bild, bevor uns dann eine Kanzlerin oder deren Doppelgängerin mit ihrer Geste Sicherheit und Stabilität verspricht, trotz des Aufbruchs in eine neue Zeit, den sie mit dem Slogan „Neuland“ verkündet. Brave New World ist der Titel des Buches von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932, bei der es um die Fragilität einer scheinbar stabilen, sicheren Welt im Jahr 2560 geht.

Die gestörte Sicherheit mit ihrem traurigen Sinnbild der rauchenden Zwillingstürme des World Trade Centers, die den Aufbrauch in eine neue Zeit und unbegrenzte Handels- und Geschäftsmöglichkeiten boten, das System bricht zusammen, auch wenn die Slogans bleiben.

Warten wir es ab, unser Jahrzehnt ist noch nicht zu Ende, ob das Neuland dann auch wirklich hier bei uns entstehen wird.

Wie aber wird die Universität in diese Stimmungen durch unser Werbeteam eingebunden?

Zu einigen Bildern sind die offensichtlichen Bezüge zur Bildungslandschaft und der Universität im Besonderen schon benannt worden. Einige sind in der Tat weniger leicht mental zu ziehen als andere, dafür aber wird der Betrachter der Poster in jedem einzelnen durch Details darauf verwiesen: ET ist mit der JGU verbunden, das JGU Rot kleidet James Dean und Angela Merkel, der Doktorhut bei Nirvana usw., und wer die Bezüge dann immer noch nicht gesehen hat, den erinnern die Frei-, Fahrten und Jugendschwimmerabzeichen ähnlichen JGU-Logos, die den handwerklichen Charakter der ganzen Serie auf die Spitze treiben und an den historischen Horizont, den Reifungsprozess und das Freischwimmen der Universität aus den engem Korsett der Zeittrends visualisieren, der auch durch die Jahreszahlen dann noch einmal unterstrichen wird. Sie haben die Jury begeistert, liebe Frau Zwick, lieber Herr Fröb, der erste Platz ist Ihrer.

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