Laudatio auf Platz 1 des Wettbewerbes zum Universitätsjubiläum

Nun zu der Posterserie, die die Jury ohne Wenn und Aber überzeugt hat, keine Kritik, keine Nachfragen – einfach überzeugend, auch wenn die Jury sich durchaus kritisch damit auseinanderzusetzen hatte, ob die vorzüglich ausgewählten Stimmungsbilder für das jeweilige Jahrzehnt auch ausreichend visuell auf die JGU in dieser Zeit bezogen worden sind.

Photographie der 1. Platzierten: Daniel S. Fröb (rechts) und Katharina Zwick (links)

1. Platz: Daniel S. Fröb und Katharina Zwick mit ihrer Posterserie “1940er bis 2010er Jahre”

Daniel S. Fröb und Katharina Zwick sind die beiden, die diese Serie konzipiert und umgesetzt haben und zwar so überzeugend, dass ihre Poster dann auch im Präsidium unserer Universität aufgehängt sind.

Zurück zum bereits genannten “Zeitgeist”,

1)    Mainz in Trümmern und Wiederaufbau für die 40er Jahre Heile Heile Gänschen, vieles wird überdeckt, schön angestrichen, nicht hinterfragt, eben mit Pflaster zugeklebt und nicht operiert.

2)    Die 50er, Rock’n'Roll und ein bisschen wenn dann individuelles Rebellieren, aber doch im großen und ganzen Ästhetisierung, unpolitische Gemeinschaftserlebnisse, Amüsieren, dafür steht James Dean. Denn sie wissen was sie tun – ist das Motto, und in der Tat, die Studenten dieser Generation wollten vergessen sicher, aber vor allem auch nach vorne sehen für eine individuelle gute Zukunft:  eine gute Ausbildung, viel Geld verdienen, Sicherheit.

3)    Jo Gutenberg, ein Che Guevara im Schafspelz, aber eben doch eine Politisierung, die die Studentschaft und Dozenten erfasst hat.

4)    Die 70er Jahre dann als „Pong“, Ping/Pong darzustellen, was politisch und mit großen Theorien nicht zu lösen ist, mag die große Technik- und Fortschrittsgläubigkeit der Zeit in neue Bahnen zu lenken. Der erste Flug zum Mond und der 1. Computer werdeb gebaut, er steht in Berlin, der Erfinder vergisst ein Patent anzumelden, was ihm dann IBM freundlicherweise abnimmt.

Die Universitäten, auch die Mainzer Universität ist weiterhin politisiert, aber zunehmend sind es andere Themen Gleichberechtigung und Atomkraft, nicht mehr nur der Kampf der Ideologien Kapitalismus und Kommunismus, weisen den Weg in eine neue politische Landschaft. Die Möglichkeiten der Atomkraft in Verbindung mit der Überschätzung der Technik und der Politiker alle Probleme lösen zu können, eben auch innerhalb kürzester Zeit Lösungen für den Atomabfall zu finden, das ist in den Augen nicht nur der Studenten und Studentinnen in Mainz die negative Seite dieser Technikgläubigkeit.

5)    Die Weltraumforschung beflügelt in den 1980ern die Phatansie, aber auch neue Möglichkeiten der Filmtechnik tragen dazu bei, das E.T. nicht nur ein technisch raffinierter Film wird, sondern auch in seiner ganzen Skurilität die Botschaft, dass man das Gute nicht nur in den Kindern und der Phantasie, sondern auch an Ecken und bei Dingen und Menschen finden würde, bei denen man es so nicht erwarte. Eine Aufbruchstimmung und Bereitschaft zum Experiment wird damit visualisiert.

6)    Für die 1990 hat unser Siegerduo das Plattencover von Nirvana „Nevermind“ gewählt, verfremdet wie auch im übrigen die anderen Bilder durch die Nach- und Neuzeichnung hier mit einem Doktorhut, der an einem Haken gehängt statt eines Babys unter Wasser ein kleines Gespenst ködert. Kindisch, wild, phantasievoll, zugleich aber auch der Verweis auf ein Lebensgefühl, dass keine Zukunft hat, schließlich hat sich Kirk Cobaine umgebracht, um dem Höhepunkt eines schnellen und intensiven Lebens keinen langsamen Altersabstieg zuzumuten.

Der Jugend gehört die Welt, Trau keinem über 30 war zwar das Motto der 70er, sie drückt sich aber gerade durch diese ästhetisierte Antihaltung aus, die in den 90ern ähnlich unpolitisch daherkommt, wie dies in den 50gern schon einmal der Fall war.

7)    Brave new world heißt das vorletzte Bild, bevor uns dann eine Kanzlerin oder deren Doppelgängerin mit ihrer Geste Sicherheit und Stabilität verspricht, trotz des Aufbruchs in eine neue Zeit, den sie mit dem Slogan „Neuland“ verkündet. Brave New World ist der Titel des Buches von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932, bei der es um die Fragilität einer scheinbar stabilen, sicheren Welt im Jahr 2560 geht.

Die gestörte Sicherheit mit ihrem traurigen Sinnbild der rauchenden Zwillingstürme des World Trade Centers, die den Aufbrauch in eine neue Zeit und unbegrenzte Handels- und Geschäftsmöglichkeiten boten, das System bricht zusammen, auch wenn die Slogans bleiben.

Warten wir es ab, unser Jahrzehnt ist noch nicht zu Ende, ob das Neuland dann auch wirklich hier bei uns entstehen wird.

Wie aber wird die Universität in diese Stimmungen durch unser Werbeteam eingebunden?

Zu einigen Bildern sind die offensichtlichen Bezüge zur Bildungslandschaft und der Universität im Besonderen schon benannt worden. Einige sind in der Tat weniger leicht mental zu ziehen als andere, dafür aber wird der Betrachter der Poster in jedem einzelnen durch Details darauf verwiesen: ET ist mit der JGU verbunden, das JGU Rot kleidet James Dean und Angela Merkel, der Doktorhut bei Nirvana usw., und wer die Bezüge dann immer noch nicht gesehen hat, den erinnern die Frei-, Fahrten und Jugendschwimmerabzeichen ähnlichen JGU-Logos, die den handwerklichen Charakter der ganzen Serie auf die Spitze treiben und an den historischen Horizont, den Reifungsprozess und das Freischwimmen der Universität aus den engem Korsett der Zeittrends visualisieren, der auch durch die Jahreszahlen dann noch einmal unterstrichen wird. Sie haben die Jury begeistert, liebe Frau Zwick, lieber Herr Fröb, der erste Platz ist Ihrer.

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